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Warum Photoshop für Webdesign-Entwürfe ungeeignet ist

Photoshop + Webdesign-Entwurf = gutes Team?

Falsch

Vielleicht fragen Sie sich, was in mich gefahren ist. Wo es doch fast normal ist, dass Webdesigner zuerst einen grafischen Entwurf in einem Bildbearbeitungsprogramm (z.B.: Photoshop) anfertigen, diesen dann absegnen und erst dann mit der Umwandlung in HTML beginnen. Oder?

Leider ist dies gängige Praxis. Ich werde Ihnen heute 5 Gründe nennen, warum meiner Meinung nach Photoshop für Webdesign-Entwürfe ungeeignet ist

1. Photoshop = zeichnen – HTML ≠ zeichnen

Oft beauftragt ein Kunde eine Werbeagentur, welche dann in späterer Folge einen Webdesigner (z.B.: mich) beauftragt, das Projekt zu realisieren. In der Werbeagentur wird ein “Entwurf” angefertigt und mit dem Kunden abgesprochen. Ich werde dann beauftragt, diesen Entwurf zu realisieren.

Natürlich bekomme ich dann eine PSD-Datei (Photoshop). In seltenen, schlimmeren Fällen, wird die PSD-Datei nicht herausgegeben und ich muss mich mit einer PDF-Datei (!!!) begnügen.

Der Kunde sieht das PSD und ist natürlich begeistert. Der Kunde weiß natürlich nicht – es ist auch nicht seine Aufgabe es zu wissen, dass nicht alles realisiert werden kann.

Beispiel runde Ecken. Der Internet Explorer wird erst in der Version 9 (!) welche momentan noch Beta ist, runde Ecken unterstützen. Firefox 3.x unterstützt es nur durch browserspezifisches CSS. Doch natürlich – wie könnte es auch anderes sein – kann man eine Grafik so zeichnen, wie man will. Der Kreativität des Grafikers sind keine  Grenzen gesetzt.

Ein Webdesigner zeichnet aber nicht. HTML ist nicht “Malen nach Zahlen”. Am Ende gibt es dann enttäuschte Kunden, weil die Website nicht so aussieht, wie auf dem Foto.

Der Handlungsspielraum den ein Webdesigner hat, wird mit CSS2+3 und HTML 5 zunehmend größer, doch es wird noch lange dauern, bis auch alle Browser diese “Standards” unterstützen. Und selbst dann, gibt es immer noch 10-20% die mit einem veralteten Internet-Explorer surfen…

2. Die große Unbekannte im Webdesign: Seitenbreite

Egal ob Breite in Pixel, em oder cm – die Seitenbreite (also der Platz, den der Browser zum Zeigen der Inhalte hat) ist unbekannt.

Jetzt wird also ein PSD-Entwurf mit einer Breite von 1400 Pixeln gesendet. Dieser soll dann (am besten 1:1) realisiert werden. Jeder Webdesigner, der schon einmal gesagt hat: “Das ist nicht so einfach möglich” wird folgende Worte hören: “Dann sind Sie nicht der Richtige für diesen Job”.

Fakt ist, dass es immer noch User gibt die mit einer Auflösung von 800*600 Pixeln im Internet unterwegs sind. Doch die Kluft wird immer größer. Waren vor ein paar Jahren noch Seitenbreiten jenseits der 1000 Pixel eine Seltenheit, so gibt es jetzt 36 Zoll-Widescreen Monitore.

Daher muss man von einer Seitenbreite ausgehen, die für die meisten User passt, und die ist auf keinen Fall 1400 Pixeln. Gängige Breiten sind 800-950 Pixel.

In neuester Zeit treten flexible Layouts (dort wird die Seitenbreite relativ (in %) zur verfügbaren Bildschirmbreite definiert) vermehrt auf. Dies ist die einzig sinnvolle Lösung zur Überbrückung der unterschiedlichen Monitor-Typen. Doch, dass das Design der Seite bei jedem User anders aussieht, muss erst mal der Mehrheit der Kunden und Werbeagenturen klar gemacht werden ;-) Ein langwieriger Prozess.

3. Bilder bewegen sich nur selten.

Modernes Webdesign bietet die Möglichkeit Websites dynamisch, animiert und interessant zu gestalten. Auch ohne Flash (Flash ist tot!).

Doch auch einfachste Hover-Effekte (das sind Effekte, bei denen sich z.B.: die Farbe oder die Textauszeichnung ändert, wenn sich der Mauszeiger über dem Element bewegt) in einer Navigation lassen sich auf einem Bild schlecht darstellen.

Eine mit JQuerry oder CSS animierte Navigation, ist auf einem Bild nicht ersichtlich. Denn Bilder bewegen sich nicht. Müssen sie auch nicht.

4. Aenderungen – ein leidiges Thema

Selten ist der Fall, wo der Kunde eine  Website oder einen Entwurf sieht und zu 100%  zufrieden ist. Wär ja auch zu einfach…

Änderungen in Photoshop zu machen, sind kein Problem und abhängig von der Fähigkeit der Person, die hinter dem Bildschirm sitzt. Zack. Die Änderung wird dem Kunden gezeigt. Kunde ist zufrieden. PSD oder PDF wird an den Webdesigner weitergeleitet.

Doch, ob Sie es glauben oder nicht, nicht alles was in Photoshop möglich ist, ist auch in HTML möglich. Der Grad wird zwar immer schmäler, doch ein anderer bleibt bestehen.

Eine Änderung die in Photoshop 5 Minuten dauert, kann in HTML schon durchaus eine halbe Stunde benötigen.

5. Wer ohne Photoshop auskommt spart Zeit (und Geld).

Nehmen wir an, dass wir ein Produktionsunternehmen sind. Kann man den Produktionsvorgang um 50 % verkürzen und nehmen wir an, dass wir damit 50 % an Kosten einsparen können, so könnten wir ja (reich theoretisch) unser Produkt um 50% billiger anbieten. Rein theoretisch…

Und so verhält es sich auch im Webdesign. Würde nicht zuerst ein PSD erstellt, sondern direkt in XHTM/CSS designed, so würde man die Hälfte der Zeit sparen. Webdesign würde somit günstiger werden. Rein theoretisch…

Wer der englischen Sprache mächtig ist, dem empfehle ich den Artikel “Time to stop showing clients static design visuals” von Andy Clark auf forabeautifulweb.com

Clemens Plainer

20 Comments

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